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Rede von Dr. Carolin Jenkner zur Gleichberechtigung

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Freiburg war und ist Vorreiterin beim Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit. Der von der Frauenbeauftragten verwendete Ansatz könnte wohl als eine Art  „push&pull“- Ansatz durchgehen: Mädchen und Frauen werden durch Projekte, Veranstaltungen und Informationen all die Türen aufgezeigt, die ihnen offenstehen.

Sie werden sozusagen mit der Nase auf ihre eigenen Chancen und Möglichkeiten gestoßen und erhalten so Anreize, sich außerhalb beständiger Rollenmuster neu zu denken.

Und zugleich nimmt die Stelle mithilfe der vorgetragenen Bedürfnisse von Frauen und  Mädchen Einfluss auf die Arbeit innerhalb und außerhalb der Verwaltung, um hier sensibilisierend davon zu überzeugen, diese bei allen Maßnahmen mitzudenken und ein entsprechendes Angebot bereitzustellen; egal, ob in der Vereinbarkeit von Familien und Beruf, in der Städteplanung oder im Freizeitangebot.

Allein das Sichtbarmachen von Frauen und Mädchen, ihrer Interessen und Lebensrealitäten macht ein Ignorieren ihrer Anliegen mehr und mehr unwahrscheinlich und eine Beachtung ihrer Interessen wird auch von den Mädchen und Frauen selbstbewusst immer mehr eingefordert. Ihre Arbeit zeigt Vorbilder auf, role models, die jungen Frauen und Mädchen zeigen was sie erreichen können. Kein einfaches Unterfangen.

Dass dieser Ansatz so erfolgreich ist, ist dem großen und unermüdlichen Engagement von Frau Thomas und Frau Umseher zu verdanken. Wir schätzen Ihre Arbeit wirklich sehr.

Denn es liegt bereits ein gutes Stück Weg und viel Arbeit hinter uns, und vieles wurde in den letzten Jahrzehnten erreicht. Ohne das Heute verklärend schönzureden, können wir, blicken wir zurück in das, was man „alte Zeiten“ nennt, doch nur darüber staunen, was in vergleichsweiser sehr kurzer Zeit alles möglich geworden ist.

Viele von uns, z.B. auch in diesem Gremium, leiden nur noch selten unter tatsächlicher Ungleichbehandlung. Unsere Biografien sprechen eine optimistische, eine gleichberechtigte Sprache. Und so tun sich manche von uns offen gestanden manchmal schwer damit, als Benachteiligte identifiziert zu werden, denen noch nicht überall auf Augenhöhe begegnet werde.

Dankbar sind wir also für all das große Engagement von so vielen Frauen wie auch Männern, die unsere heutigen Freiheiten und Rechte möglich und selbstverständlich gemacht haben, –  die es geschafft haben, dass heute viele Frauen in Deutschland in ihrem Alltag Geschlechterungleichheit kaum mehr erleben müssen.

Wenden wir den Blick ins Heute, dann müssen wir aber zugleich feststellen, dass noch ein ganzes Stück Weg vor uns liegt. Und wir müssen dabei anerkennen: Von einer echten Gleichverteilung von Rechten und Chancen sind wir in einigen Bereichen noch weit entfernt. Gerade wenn verschiedene soziale und oder ökonomische Faktoren zusammenfallen, sehen wir, wie schnell eigentlich vorhandene Chancen durch Brüche oder auch über ganze Lebensbiografien hinweg plötzlich unerreichbar werden. Für Frauen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien sind die Hürden zum Beispiel mit Sicherheit noch deutlich höher.

Daher gilt es jetzt noch genauer und zielgerichteter hinzuschauen, um die nach wie vor bestehenden Benachteiligungen abzubauen. Auch die Corona-Krise hat hier so manche Baustelle freigelegt, von der wir dachten, sie sei längst erledigt. Wir haben aber auch hier großes Vertrauen in die Aufarbeitung durch die Frauenbeauftragte und die Schlüsse, die sie daraus zieht.

Eine noch ganz andere Dimension nimmt die geschlechtsspezifische Gewalt ein. Wir sind uns alle einig: Die Basis unseres sozialen Miteinanders ist die Sicherheit jedes einzelnen Mitglieds. Ob dies Kinder sind, Frauen oder Männer: Ihr Schutz steht immer ganz oben auf der Aufgabenliste und verdient unsere volle Aufmerksamkeit und Tatkraft.

Es bleibt uns daher ein großes Anliegen, dass wir die gesellschaftliche Aufgabe der Geschlechtergerechtigkeit als gleiches Recht und gleiche Chancen für Frauen und Männer, für Jungen wie Mädchen verstehen. Gewalt gegen Jungen und Männer, Ungleichbehandlung und Diskriminierung, wie auch strukturelle Nachteile von Jungen dürfen ebenso wenig ein Tabuthema sein. Auch sie verdienen unsere Aufmerksamkeit, denn Gleichberechtigung, so schließt ja auch die Drucksache, ist kein „Frauenthema“, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Noch einmal ein herzliches Dankschön an Frau Thomas und ihr Team für den Bericht, den wir gerne zur Kenntnis nehmen.